

Obwohl sich Nelson dem demokratischen Designansatz seiner Zeit verpflichtet fühlte nämlich gutes Design für jedermann erschwinglich zu machen, war er im Grunde nur begrenzt bereit, um einer kostengünstigen und seriellen Fertigung willen allzu grosse kreative Konzessionen einzugehen. Dieser idealistischen Geisteshaltung entsprang wohl auch seine Fähigkeit, Mitarbeiter und Kollegen zu motivieren. In seiner Zeit als Chefdesigner der US-Designschmiede Herman Miller in den Jahren 1946 bis 1972 holte er sowohl Charles und Ray Eames als auch Isamu Noguchi und Alexander Girard ins Unternehmen. In seinem eigenen Büro George Nelson Association, wo zwischenzeitlich über fünfzig Angestellte beschäftigt waren und unter anderen auch der kürzlich verstorbene Ettore Sottsass mitwirkte, liess er den Mitarbeitern jeden freien Entfaltungsraum für eigene Ideen und Fantasien, wie sich später Irving Harper mit treuer Bewunderung erinnerte.
Wer für das berühmte Atom-Design von Nelsons legendärem Ball Clock (1947) letztlich zuständig war, ist im Nachhinein kaum mehr festzustellen. Laut George Nelson soll die Wanduhr das Ergebnis eines chaotisch-inspirierten Saufgelages gewesen sein, an dem neben Irving Harper auch Isamu Noguchi und Bucky Fuller teilgenommen hatten. über hundert verschiedene Varianten der Wanduhren entwarf Nelsons Büro in Folge, alle produziert von Howard Miller, Herman Millers Bruder. Die tickende Formexpressivität entsprach perfekt der Geschmacksgewaltigkeit der 1950er Jahre. In den 1980er Jahren wurde die Produktion mangels Nachfrage allerdings eingestellt. Inzwischen gibt Vitra, deren Nelson Kollektion in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen ist, einige Modelle dieser fantastisch schrillen Wanduhren wieder heraus. Dabei haben die Re-Editionen keinen Einfluss auf die weiterhin hohen Preise der Originalserien, die zum Teil mit bis zu 5.000 US-Dollar gehandelt werden.
Das Interesse an Nelsons Möbelentwürfen ist vor allem seit Ende der 1990er Jahre deutlich gestiegen, obwohl aus seinem vielfältigen und umfangreichen Oeuvre heute im Grunde nur noch ein kleiner Teil produziert wird. Das Marshmallow Sofa legte Herman Miller 1999 wieder auf. Im Jahr 1994 die Plattform Bench. Vor allem die Nachbauten von Nelsons Bubble Lamps (ab 1952) erleben derzeit ein geradezu modisches Revival. Die seltenen Ausführungen der Original-Leuchten erzielen bis zu 6.500 US-Dollar. Nelsons berühmter Coconut Chair, dessen Form entsprechend dem exotikverliebten Zeitgeist der Aufbruchjahre eine Kokosnussschale nachbildet, wird seit 1956 ohne Unterbrechung produziert. Auf Auktionen erzielt der Coconut Chair als Klassiker mittlerweile bis zu 7.000 US-Dollar.
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